Aktuelles

Aktuelles

Der Ko­ali­ti­ons­ver­trag ist un­ter­zeich­net, die Kanz­le­rin ge­wählt und die Re­gie­rung steht. Da­mit tickt auch die Uhr für die Um­set­zung der ge­setz­li­chen Frau­en­quo­te. Nach zä­hem, auch in­ner­par­tei­li­chem Rin­gen hat die gro­ße Ko­ali­ti­on sich ge­ei­nigt und un­ter der Über­schrift „Gleich­stel­lung si­cher­stel­len“ fol­gen­des Ziel in ih­rem Ko­ali­ti­ons­ver­trag vom 16.12.2013 auf S. 102 fest­ge­hal­ten:

Das Ziel im Ko­ali­ti­ons­ver­trag
„Wir wol­len den An­teil weib­li­cher Füh­rungs­kräf­te in Deutsch­land er­hö­hen. Des­halb wer­den wir zu Be­ginn der 18. Wahl­pe­ri­ode des Deut­schen Bun­des­ta­ges Ge­schlech­ter­quo­ten in Vor­stän­den und Auf­sichts­rä­ten in Un­ter­neh­men ge­setz­lich ein­füh­ren.

Auf­sichts­rä­te von voll mit­be­stim­mungs­pflich­ti­gen und bör­sen­no­tier­ten Un­ter­neh­men, die ab dem Jahr 2016 neu be­setzt wer­den, sol­len ei­ne Ge­schlech­ter­quo­te von min­des­tens 30 Pro­zent auf­wei­sen. Wir wer­den ei­ne Re­ge­lung er­ar­bei­ten, dass bei Nicht­er­rei­chen die­ser Quo­te die für das un­ter­re­prä­sen­tier­te Ge­schlecht vor­ge­se­he­nen Stüh­le frei blei­ben.

Wir wer­den bör­sen­no­tier­te oder mit­be­stim­mungs­pflich­ti­ge Un­ter­neh­men ge­setz­lich ver­pflich­ten, ab 2015 ver­bind­li­che Ziel­grö­ßen für die Er­hö­hung des Frau­en­an­teils im Auf­sichts­rat, Vor­stand und in den obers­ten Ma­nage­ment-Ebe­nen fest­zu­le­gen und zu ver­öf­fent­li­chen und hier­über trans­pa­rent zu be­rich­ten. Die ers­ten Ziel­grö­ßen müs­sen in­ner­halb der 18. Wahl­pe­ri­ode des Deut­schen Bun­des­ta­ges er­reicht wer­den und dür­fen nicht nach­träg­lich nach un­ten be­rich­tigt wer­den. Dar­über hin­aus wer­den wir Maß­nah­men für die Pri­vat­wirt­schaft er­grei­fen, die ei­ne För­de­rung von Frau­en in al­len Be­triebs­hier­ar­chi­en zum Ziel ha­ben.

Die Ko­ali­ti­on wird im Ein­fluss­be­reich des Bun­des ei­ne ge­ziel­te Gleich­stel­lungs­po­li­tik vor­an­trei­ben, um den An­teil von Frau­en in Füh­rungs­po­si­tio­nen und in Gre­mi­en zu er­hö­hen und Ent­gel­t­un­gleich­heit ab­zu­bau­en. Da­zu ent­wi­ckeln wir ei­nen Gleich­stel­lungs­in­dex und füh­ren für die Bun­des­ver­wal­tung ei­ne pro­ak­ti­ve Um­set­zung des Bun­des­gleich­stel­lungs­ge­set­zes und des Bun­des­gre­mi­en­be­set­zungs­ge­set­zes ein.

Auch für die wis­sen­schaft­li­chen Füh­rungs­gre­mi­en wol­len wir ei­nen An­teil von min­des­tens 30 Pro­zent er­rei­chen. Ge­ne­rell wer­den wir den Frau­en­an­teil im Wis­sen­schafts­sys­tem durch am Kas­ka­den­mo­dell ori­en­tier­te Ziel­quo­ten nach­hal­tig er­hö­hen.“

Ein po­li­ti­scher Kom­pro­miss
Der Soll-Zu­stand ist da­mit de­fi­niert. Ge­setz­lich ver­bind­lich, in Hö­he von 30% soll es so­mit nur für Auf­sichts­rats­pos­ten bei voll mit­be­stim­mungs­pflich­ti­gen und bör­sen­no­tier­ten Un­ter­neh­men wer­den, die ab dem Jahr 2016 neu be­setzt wer­den. Dar­über hin­aus sol­len bör­sen­no­tier­te oder mit­be­stim­mungs­pflich­ti­ge Un­ter­neh­men nur ge­setz­lich ver­pflich­tet wer­den, ab 2015 selbst ver­bind­li­che Ziel­grö­ßen für die Er­hö­hung des Frau­en­an­teils im Auf­sichts­rat, Vor­stand und in den obers­ten Ma­nage­ment-Ebe­nen fest­zu­le­gen.

Man wird ab­war­ten müs­sen, wie hoch und da­mit am­bi­tio­niert die Un­ter­neh­men ih­re ei­ge­ne Mess­lat­te le­gen wer­den. Die For­mu­lie­rung im Ko­ali­ti­ons­ver­trag macht deut­lich, wie eng der An­wen­dungs­rah­men und wie weich das An­spruchs­ni­veau de­fi­niert wor­den ist. Ein schö­nes Bei­spiel für ei­nen po­li­ti­schen Kom­pro­miss zwi­schen ge­setz­li­cher Frau­en­quo­te und frei­wil­li­ger Selbst­ver­pflich­tung.

Und doch ein wei­ter Weg
Ein Blick auf die ak­tu­el­len Zah­len in Deutsch­land macht au­ßer­dem deut­lich, wie weit der Weg noch bis zum mehr oder min­der an­ge­streb­ten po­li­ti­schen 30 % Ziel für Frau­en auf Vor­stands- und Auf­sichts­rats­pos­ten noch ist. So liegt nach dem vom DIW ver­öf­fent­lich­ten Ma­na­ge­rin­nen-Ba­ro­me­ter 2014 der An­teil weib­li­cher Vor­stän­de un­ter den TOP 100 Un­ter­neh­men in Deutsch­land im Jahr 2013 erst bei 4,8% und in den Auf­sichts­gre­mi­en bei 15,2%. Da die ge­setz­li­che Frau­en­quo­te in Auf­sichts­gre­mi­en nur bei Neu­be­set­zun­gen grei­fen soll, wer­den wohl noch Jahr­zehn­te ver­ge­hen, bis die Ziel­li­nie über­schrit­ten wird. Der Auf­re­gung um die Ein­füh­rung ei­ner ge­setz­li­chen Re­ge­lung wird wohl Ge­duld in der de­ren Um­set­zung fol­gen müs­sen.

Scroll Up