Versicherungsfragen rund um die Einweisung in eine Burn out-Klinik

Der Weg in die Kli­nik ist für vie­le Be­trof­fe­ne ein gro­ßer Schritt. Zum ei­nen emo­tio­nal und zum an­de­ren auch auf­grund der ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Hür­den, die es zu über­win­den gilt. Es gibt vie­le Fra­gen rund um den Ver­si­che­rungs­an­trag. Dar­über möch­te ich mich heu­te un­ter­hal­ten mit Chef­arzt Dr. Schmidt. von der Leis­berg Kli­nik in Ba­den-Ba­den.

Herr Dr. med. Nor­bert Schmidt
Fach­arzt für Psych­ia­trie und Psy­cho­the­ra­pie, Zu­satz­qua­li­fi­ka­tio­nen in Sucht­me­di­zin, Ver­kehrs­me­di­zin und Ge­ron­to­psych­ia­trie, -psy­cho­so­ma­tik und -psy­cho­the­ra­pie  Ärzt­li­cher Gut­ach­ter für al­le Ge­rich­te, Kran­ken­ver­si­che­run­gen und Pri­vat­per­so­nen, Lei­tungs­er­fah­rung in ver­schie­de­nen Akut- und Re­ha­kli­ni­ken

Chef­arzt der Kli­nik am Leis­berg seit 2006

 

Dr. Jörg Wit­ten­berg:
Wie sieht der „nor­ma­le“ An­trags­weg aus, um sich in ei­ner Kli­nik be­han­deln zu las­sen, wenn man un­ter ei­ner De­pres­si­on bzw. Burn-out lei­det?

Dr. Nor­bert Schmidt:
Der am­bu­lan­te Psy­cho­the­ra­peut, Psych­ia­ter oder auch der Haus­arzt schreibt ei­nen kur­zen An­trag aus dem die Dia­gno­se her­vor­geht und in dem be­grün­det wird, war­um ei­ne am­bu­lan­te The­ra­pie nicht aus­rei­chend ist.

Dr. Jörg Wit­ten­berg:
Vie­le Pa­ti­en­ten, die auf der Su­che nach ei­ner Kli­nik sind und ei­nen An­trag bei Ih­rer Ver­si­che­rung stel­len, ma­chen die Er­fah­rung, dass Sie im ers­ten An­lauf ab­ge­lehnt wer­den. Was ist sol­chen Fäl­le ei­ne sinn­vol­le Vor­ge­hens­wei­se, um doch noch ans Ziel zu kom­men?

Dr. Nor­bert Schmidt:
Wenn der An­trag bei der Ren­ten­ver­si­che­rung ge­stellt wur­de, muss man im­mer da­mit rech­nen zu­nächst ei­ne Ab­leh­nung zu be­kom­men. Die Quo­te liegt hier mei­ner Be­ob­ach­tung nach deut­lich über 50%. Die Kran­ken­kas­sen und Kran­ken­ver­si­che­run­gen, so­wie die Bei­hil­fe­stel­len sind da un­pro­ble­ma­ti­scher. Grund­sätz­lich gilt aber, dass un­zu­rei­chen­de Be­grün­dun­gen und un­kla­re Dia­gno­sen wie „Mob­bing“, „Er­schöp­fungs­syn­drom“ oder „Ehe­pro­ble­me“ zu Ab­leh­nun­gen füh­ren.

Dr. Jörg Wit­ten­berg:
Kann auch der ei­ge­ne Haus­arzt ei­ne Ein­wei­sung in ei­ne Kli­nik ver­an­las­sen oder muss man vor­her zu ei­nem Spe­zia­lis­ten, z.B. Psych­ia­ter, ge­hen?

Dr. Nor­bert Schmidt:
Wenn die Ein­wei­sung durch den Haus­arzt er­folgt, kommt es häu­fig zu Nach­fra­gen, ob denn die am­bu­lan­ten Be­hand­lungs­mög­lich­kei­ten aus­ge­schöpft wur­den. Das kann zu un­nö­ti­gen Ver­zö­ge­run­gen füh­ren. Ich emp­feh­le da­her die Ein­wei­sung durch ei­nen Fach­arzt für Psych­ia­trie oder Psy­cho­so­ma­ti­sche Me­di­zin oder ei­nen Neu­ro­lo­gen. Seit kur­zem ist es auch den nie­der­ge­las­se­nen Psy­cho­lo­gi­schen Psy­cho­the­ra­peu­ten mög­lich Ein­wei­sun­gen in Kli­ni­ken zu schrei­ben.

Dr. Jörg Wit­ten­berg:
Was ist denn der Un­ter­schied zwi­schen den ver­schie­de­nen Ärz­ten und Psy­cho­lo­gen?

Dr. Nor­bert Schmidt:
Den Fach­arzt für Psych­ia­trie gibt es kaum noch, die­se Ärz­te ha­ben nicht zwin­gend ei­ne Psy­cho­the­ra­pie­aus­bil­dung. Er wur­de durch den Fach­arzt für Psych­ia­trie und Psy­cho­the­ra­pie er­setzt. Die­ser hat in sei­ner Fach­arzt­aus­bil­dung 4 Jah­re Psych­ia­trie in­klu­si­ve Psy­cho­the­ra­pie­aus­bil­dung und ein Jahr Neu­ro­lo­gie. Der Neu­ro­lo­ge da­ge­gen hat 4 Jah­re Neu­rol­gie und ein Jahr Psych­ia­trie, oh­ne Psy­cho­the­ra­pie­aus­bil­dung. Zu­sätz­lich gibt es den Fach­arzt für Psy­cho­so­ma­ti­sche Me­di­zin und Psy­cho­the­ra­pie. Die­ser hat in sei­ner Aus­bil­dung auch ein Jahr In­ne­re Me­di­zin. Die Psy­cho­lo­gi­schen Psy­cho­the­ra­peu­ten ha­ben Psy­cho­lo­gie stu­diert und an­schlie­ßend ei­ne min­des­tens drei­jäh­ri­ge Psy­cho­the­ra­pie­aus­bil­dung ab­sol­viert, dür­fen aber kei­ne Me­di­ka­men­te ver­schrei­ben, da sie kei­ne Ärz­te sind.

Dr. Jörg Wit­ten­berg:
Wann muss man sich ei­gent­lich an die Ren­ten­ver­si­che­rung und wann an sei­ne Kran­ken­ver­si­che­rung wen­den?

Dr. Nor­bert Schmidt
Bei aku­ten Er­kran­kun­gen ist im­mer die Kran­ken­kas­se zu­stän­dig. Die Reha-Maß­nah­me über die Ren­ten­ver­si­che­rung ist in der Re­gel eher vor­beu­gend und soll ei­ne Ge­fähr­dung der Be­rufs­fä­hig­keit ab­wen­den.

Dr. Jörg Wit­ten­berg:
Wel­chen Un­ter­schied macht es, ob man pri­vat oder ge­setz­lich ver­si­chert ist?

Dr. Nor­bert Schmidt:
Als pri­vat Ver­si­cher­ter hat man ei­ne grö­ße­re Aus­wahl und kann pro­blem­los auch in rei­ne Pri­vat­kli­ni­ken ge­hen. Dies ist zwar auch für ge­setz­lich Ver­si­cher­te nach den Be­stim­mun­gen des So­zi­al­ge­setz­bu­ches mög­lich, aber die Kran­ken­kas­sen ma­chen da häu­fig Pro­ble­me und bau­en un­nö­ti­ge Hür­den auf. Auch wird nur der Ge­büh­ren­satz über­nom­men, der in ei­ner Ver­trags­kli­nik an­fal­len wür­de, so dass Dif­fe­ren­zen von über 100,- Eu­ro pro Tag ent­ste­hen kön­nen, die dann ent­we­der über ei­ne pri­va­te Zu­satz­ver­si­che­rung ab­ge­deckt wer­den kön­nen oder von den Ver­si­cher­ten als Selbst­zah­ler zu leis­ten sind. 

Dr. Jörg Wit­ten­berg:
Ist es ei­gent­lich ein­fa­cher ei­ne Ein­wei­sung in ei­ne Ta­ges­kli­nik zu be­kom­men als ei­ne sta­tio­nä­re Be­hand­lung ge­neh­migt zu be­kom­men? Und wann ist ei­ne Ta­ges­kli­nik die rich­ti­ge Wahl für die Pa­ti­en­ten.

Dr. Nor­bert Schmidt:
Da gibt es kaum Un­ter­schie­de. Die Ta­ges­kli­ni­ken ha­ben aber häu­fig deut­lich län­ge­re War­te­zei­ten. Ei­ne Ta­ges­kli­nik bie­tet sich an, wenn im Haus­halt klei­ne Kin­der oder an­de­re An­ge­hö­ri­ge sind, die man nicht län­ge­re Zeit al­lei­ne las­sen kann.

Dr. Jörg Wit­ten­berg:
Kann man sich ei­ne Kli­nik aus­su­chen oder muss man die Kli­nik wäh­len, die von der Ver­si­che­rung vor­ge­ge­ben wird?

Dr. Nor­bert Schmidt:
Da in Deutsch­land das Prin­zip der frei­en Arzt­wahl gilt, kön­nen Sie sich ei­ne be­lie­bi­ge Kli­nik aus­wäh­len. Die Kli­nik muss nur für das ent­spre­chen­de Krank­heits­bild ge­eig­net sein.  

Dr. Jörg Wit­ten­berg:
Wie lan­ge dau­ert es in der Re­gel, bis der An­trag auf Ein­wei­sung in ei­ne Kli­nik von der Ver­si­che­rung ge­neh­migt wird und wie lan­ge ist dann die durch­schnitt­li­che War­te­zeit bis man dann auch ei­nen Platz in ei­ner Kli­nik be­kommt?

Dr. Nor­bert Schmidt:
Die Ver­si­che­run­gen sind ge­setz­lich ver­pflich­tet in­ner­halb von drei Wo­chen über den An­trag zu ent­schei­den. Die War­te­zei­ten der Kli­ni­ken sind in­di­vi­du­ell sehr un­ter­schied­lich. Die Kli­nik am Leis­berg kann als pri­va­te Akut­kli­nik auch oh­ne vor­he­ri­gen An­trag, nur mit der Ein­wei­sung ei­nes Psych­ia­ters, meist in­ner­halb von ei­ner Wo­che ei­nen The­ra­pie­platz an­bie­ten.

Dr. Jörg Wit­ten­berg
Vie­len Dank für das In­ter­view, Dr. Schmidt. Ich bin si­cher Ih­re Ant­wor­ten hel­fen vie­len Be­trof­fe­nen auf Ih­rem Weg in die Kli­nik wei­ter.

 

Mein In­ter­view­part­ner:
Dr, Nor­bert Schmidt
Rhein­tal Kli­nik GmbH — Kli­nik am Leis­berg
Gun­zen­bach­str. 8
76530 Ba­den-Ba­den
Tel.: (+49) 7221 / 39 39 30
http://www.leisberg-klinik.de

Burn-out — und jetzt?

Die Fra­ge lau­tet: Was tun bei Burn-out? Es gibt kei­ne Stan­dard-The­ra­pie für al­le Fäl­le. Die rich­ti­ge The­ra­pie­form hängt maß­geb­lich vom Sta­di­um des Burn-outs, von der Dis­po­si­ti­on des Pa­ti­en­ten und von sei­ner Le­bens­si­tua­ti­on ab. Liegt ein aku­ter Burn-out vor, ist der Gang zum Arzt oder Psy­cho­lo­gen an­ge­ra­ten. Nach ei­ner am­bu­lan­ten The­ra­pie kann un­ter Um­stän­den auch ein sta­tio­nä­rer Kli­nik­auf­ent­halt fol­gen. Ein Busi­ness Coach kann hel­fen, wenn es um Prä­ven­ti­on oder um den Wie­der­ein­stieg ins Be­rufs­le­ben geht.

Mehr zum The­ma fin­den Sie auf focus.de.

Interview mit Dr. Christoph Florange: Burn-out und die Rückkehr ins Arbeitsleben

Zur Per­son:
Herr Dr. Chris­toph Floran­ge, M. Sc., ist Chef­arzt an der Kli­nik Wers­bach im Ber­gi­schen Land. In dem 1997 er­öff­ne­ten Akut­kran­ken­haus für Psy­cho­so­ma­ti­sche Me­di­zin und Psy­cho­the­ra­pie stellt die Be­hand­lung von Burn-out Pa­ti­en­ten ei­nen Schwer­punkt sei­ner täg­li­chen Ar­beit dar. Die Vor­be­rei­tung der Pa­ti­en­ten auf ih­re Rück­kehr an den Ar­beits­platz ist da­bei ein wich­ti­ger As­pekt.

Dr. Jörg Wit­ten­berg:
Für die Ver­si­che­run­gen steht si­cher die Wie­der­her­stel­lung der Ar­beits­fä­hig­keit im Vor­der­grund, wenn es um die Be­hand­lung geht. Se­hen die Pa­ti­en­ten, die zu Ih­nen kom­men, das auch so oder ha­ben die Be­trof­fe­nen an­de­re Mo­ti­ve für den Gang in die Kli­nik?

Dr. Chris­toph Floran­ge:
Für be­trof­fe­ne Pa­ti­en­ten ist die Wie­der­her­stel­lung der Ar­beits­fä­hig­keit nicht vor­der­grün­di­ges The­ra­pie­ziel, wenn sie zu uns kom­men. Es geht den Pa­ti­en­ten im We­sent­li­chen dar­um, die mit dem Burn-out ver­bun­de­nen de­pres­si­ven Sym­pto­me zu be­sei­ti­gen, wel­che für die Pa­ti­en­ten er­heb­lich be­ein­träch­ti­gend in Be­zug auf ih­re psy­cho­so­zia­len Kom­pe­ten­zen sind. Da­zu zäh­len die Fä­hig­kei­ten zur Ge­stal­tung von so­zia­len Kon­tak­ten und das Be­wusst­sein für die Ver­ant­wor­tung ge­gen­über ih­rem so­zia­len, öko­no­mi­schen und öko­lo­gi­schen Um­feld.

Dr. Jörg Wit­ten­berg:
Wie lan­ge dau­ert bei Ih­nen ein durch­schnitt­li­cher Kli­nik­auf­ent­halt und wel­che (Behandlungs-)Phasen durch­läuft ein Pa­ti­ent da­bei im All­ge­mei­nen?

Dr. Chris­toph Floran­ge:
Die durch­schnitt­li­che Be­hand­lungs­dau­er be­trug im Jahr 2013 in der Kli­nik Wers­bach 45 Ta­ge. Nach der Auf­nah­me­pha­se in der Kli­nik er­folgt die ei­gent­li­che Be­hand­lungs­pha­se, wel­che in die Ent­las­sungs­pha­se über­lei­tet. Die Ent­las­sungs­pha­se kann wie­der­um von ei­ner Be­hand­lungs- bzw. Nach­sor­ge­pha­se nach dem Kli­nik­auf­ent­halt be­glei­tet wer­den. Manch­mal ist es si­cher­lich sinn­voll, die sta­tio­nä­re Be­hand­lung im letz­ten The­ra­piedrit­tel in ei­ne teil­sta­tio­nä­re Be­hand­lung um­zu­wan­deln. Dies ist zwang­los mög­lich, wenn der Wohn­ort des Pa­ti­en­ten in der Nä­he des Kli­nik­stand­orts liegt. Die­se teil­sta­tio­nä­re Be­hand­lung wirkt als an­ti­re­gres­si­ves Set­ting (d.h. wirkt ge­gen den Rück­fall in al­te Ver­hal­tens­wei­sen), stärkt die psy­cho­so­zia­len Kom­pe­ten­zen und min­dert mög­li­che Hos­pi­ta­li­sie­rungs­ef­fek­te, die als ne­ga­ti­ve kör­per­li­che und psy­chi­sche Be­gleit-fol­gen ei­nes Kran­ken­haus­auf­ent­hal­tes bei den Pa­ti­en­ten auf­tre­ten kön­nen.

Dr. Jörg Wit­ten­berg:
Ab wann muss sich der Pa­ti­ent dann mit dem The­ma sei­ner Rück­kehr an den Ar­beits­platz aus­ein­an­der­set­zen und mit wel­chen The­ra­pie­for­men nä­hern Sie sich dem The­ma?

Dr. Chris­toph Floran­ge:
Be­reits wäh­rend der Be­hand­lungs­pha­se nä­hern wir uns durch die Ge­sprächs­psy­cho­the­ra­pie und die so­zio­the­ra­peu­ti­sche Be­hand­lung dem The­ma „Rück­kehr an den Ar­beits­platz“ zu­neh­mend an. Die­ser As­pekt, der im Ver­lauf der Be­hand­lung im­mer wie­der an­ge­spro­chen wird, rückt in der Ent­las­sungs­pha­se (cir­ca 10 Ta­ge, be­vor der Pa­ti­ent die Kli­nik ver­lässt) mehr in den Fo­kus der Ge­sprä­che mit dem Pa­ti­en­ten. In die­sem Zu­sam­men­hang wer­den sei­tens des Kran­ken­haus­so­zi­al­diens­tes u.a. Kon­tak­te zum Ar­beit­ge­ber auf­ge­nom­men, um bei­spiels­wei­se Wie­der­ein­glie­de­rungs­maß­nah­men zu be­spre­chen. Die­se Ge­sprä­che wer­den u.U. au­ßer­halb der Kli­ni­kräu­me ge­mein­sam mit dem Pa­ti­en­ten, der von ei­nem Mit­ar­bei­ter des Kran­ken­haus­so­zi­al­diens­tes be­glei­tet wird, in ei­nem Ar­beit­ge­ber­ge­spräch vor Ort durch­ge­führt.

Dr. Jörg Wit­ten­berg:
Wie se­hen die Eck­punk­te ei­ner sol­chen Wie­der­ein­glie­de­rungs­maß­nah­me aus, die das So­zi­al­ge­setz­buch in sol­chen Fäl­len vor­sieht?

Dr. Chris­toph Floran­ge:
Nach ei­ner lang an­dau­ern­den see­li­schen Er­kran­kung liegt es häu­fig auf der Hand, dass die Pa­ti­en­ten im Rah­men der Ge­ne­sungs­pha­se noch nicht in der La­ge sind, ei­nen ge­sam­ten Ar­beits­tag voll um­fäng­lich zu be­wäl­ti­gen. Des­halb kommt das In­stru­ment der be­ruf­li­chen Wie­der­ein­glie­de­rung zur An­wen­dung. In Ab­spra­che mit dem Ar­beit­ge­ber und der Kran­ken­kas­se wird hier­bei ein ge­wis­ser Zeit­raum de­fi­niert, in­ner­halb des­sen der an den Ar­beits­platz zu­rück­keh­ren­de und sich auf dem We­ge der Bes­se­rung be­find­li­che Pa­ti­ent in Teil­zeit ar­bei­ten soll. Die Teil­ar­beits­fä­hig­keit wird nach ei­nem wei­te­ren de­fi­nier­ten Zeit­raum ge­stei­gert, um letzt­end­lich in meh­re­ren Schrit­ten in voll­stän­di­ge Ar­beits­fä­hig­keit über­zu­ge­hen. Die­ses scho­nen­de Vor­ge­hen im Sin­ne des be­trieb­li­chen Wie­der­ein­glie­de­rungs­ma­nage­ments er­mög­licht es be­reits län­ger er­krank­ten Pa­ti­en­ten, sich wie­der bes­ser an die An­for­de­run­gen des Be­rufs­all­ta­ges an­zu­pas­sen.

Dr. Jörg Wit­ten­berg:
Hal­ten Sie die Un­ter­stüt­zung der Fir­men für die Rück­keh­rer für aus­rei­chend oder was soll­te hier aus Ih­rer Sicht noch ver­bes­sert wer­den?

Dr. Chris­toph Floran­ge:
In der Re­gel ste­hen Fir­men dem In­stru­ment der be­ruf­li­chen Wie­der­ein­glie­de­rung po­si­tiv ge­gen­über und un­ter­stüt­zen den Pa­ti­en­ten bei der Rück­kehr in den Be­rufs­all­tag in ei­nem aus­rei­chen­den Maß. Da je­doch die pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung (kurz: PKV) das In­stru­ment der be­ruf­li­chen Wie­der­ein­glie­de­rung nicht kennt, sind die Pa­ti­en­ten hier auf die frei­wil­li­ge Un­ter­stüt­zung der PKV an­ge­wie­sen, die ge­wis­ser­ma­ßen als Ku­lanz­leis­tung er­bracht wird. Dies ist des­halb pro­ble­ma­tisch, weil pri­vat Ver­si­cher­te so­mit kei­nen Rechts­an­spruch auf das so­zio­the­ra­peu­ti­sche In­stru­ment der be­ruf­li­chen Wie­der­ein­glie­de­rung ha­ben, wel­ches im Rah­men der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ein wich­ti­ges The­ra­pie­ele­ment dar­stellt.

Dr. Jörg Wit­ten­berg:
Wel­che Maß­nah­men kön­nen die be­trof­fe­nen Burn-out Pa­ti­en­ten dar­über hin­aus für sich er­grei­fen, um den Über­gang ins All­tags­le­ben bes­ser meis­tern zu kön­nen?

Dr. Chris­toph Floran­ge:
We­sent­lich ist es, die Nach­sor­ge im Nach­gang zum Kli­nik­auf­ent­halt bzw. den Über­gang in die am­bu­lan­te Wei­ter­be­hand­lung zu er­leich­tern. Die Pa­ti­en­ten soll­ten zeit­nah wei­ter psych­ia­trisch-/ psy­cho­the­ra­peu­tisch be­han­delt wer­den, was auch die Ga­be ei­ner Me­di­ka­ti­on be­inhal­ten kann, die da­für sorgt, den ge­bes­ser­ten Ge­sund­heits­zu­stand ein­fa­cher auf­recht zu er­hal­ten. Lei­der wird von den Pa­ti­en­ten häu­fig der Feh­ler ge­macht, die Me­di­ka­men­te zu früh ab­zu­set­zen, weil es ih­nen ja nach der sta­tio­nä­ren Be­hand­lung wie­der ver­meint­lich gut geht.

Dr. Jörg Wit­ten­berg:
Der Wech­sel des Ar­beits­plat­zes oder gar der Aus­stieg aus dem Be­rufs­le­ben ist na­tür­lich auch ei­ne Op­ti­on für die Be­trof­fe­nen. Wie se­hen Sie die Ent­schei­dung zwi­schen Rück­kehr zum und der Ab­kehr vom al­ten Ar­beits­le­ben? Wie­viel Pro­zent der Burn-out Pa­ti­en­ten in Deutsch­land keh­ren nicht in ihr al­tes Ar­beits­le­ben zu­rück?

Dr. Chris­toph Floran­ge:
Ziel der The­ra­pie soll­te letzt­end­lich sein, dass der Pa­ti­ent wie­der in sei­nen bis­he­ri­gen All­tag zu­rück­keh­ren kann, was auch die Rück­kehr in das bis­he­ri­ge Be­rufs­le­ben be­inhal­tet. Dies ist auch aus volks­wirt­schaft­li­chen Grün­den sinn­voll, da es all­ge­mein gilt, die Leis­tungs­fä­hig­keit des Ein­zel­nen zum Woh­le der Ge­sell­schaft zu er­hal­ten. Der Aus­stieg aus dem Be­rufs­le­ben soll­te so­mit nur die al­ler­letz­te Op­ti­on dar­stel­len, was sich al­ler­dings bei ei­nem ge­wis­sen Teil der Burn-out Pa­ti­en­ten nicht ganz ver­hin­dern lässt. Schät­zungs­wei­se kehrt ein Vier­tel der Burn-out Pa­ti­en­ten nicht mehr in das al­te Ar­beits­le­ben zu­rück.

Dr. Jörg Wit­ten­berg
Vie­len Dank für das In­ter­view, Herr Dr. Floran­ge.

An­sprech­part­ner:
Dr. Chris­toph Floran­geDr. Jörg Wit­ten­berg
Kli­nik Wers­bach GmbHCoa­ching & Be­ra­tung
Wers­bach 20Im Zoll­ha­fen 24
42799 Leich­lin­gen50678 Köln
www.klinik-wersbach.dewww.Der-Wegberater.de

 

Buchtipp: Wendepunkt Burnout

Es gibt vie­le Per­spek­ti­ven, um das Burn-out-Syn­drom zu be­trach­ten. Das Salu­to­ge­ne­se-Kon­zept ist der ge­dank­li­che Fix­punkt des Au­tors Fritz Hel­mut Hem­me­rich, der die ärzt­li­che Lei­tung ei­nes Kur­zen­trums in­ne­hat, das auf Kri­sen­be­ra­tung, Trau­ma- und Neu­ro­the­ra­pie so­wie Be­wusst­seins­for­schung aus­ge­rich­tet ist.

Schwer­punkt: Be­hand­lungs­me­tho­den
Der ge­lern­te Hu­man­me­di­zi­ner spannt in sei­nem Buch “Wen­de­punkt Bur­nout” ei­nen wei­ten Bo­gen über das The­ma und gibt so viel­schich­ti­ge und glei­cher­ma­ßen tie­fe Ein­bli­cke. Die Aus­füh­run­gen über pra­xis­er­prob­te Be­hand­lungs- und Trai­nings­me­tho­den ma­chen da­bei rund die Hälf­te des Wer­kes aus.
Die Stär­ke des Bu­ches ist da­bei glei­cher­ma­ßen sei­ne Schwä­che. Es ist an­re­gend an­ders ge­schrie­ben als die Mehr­zahl der po­pu­lär­wis­sen­schaft­lich oder bio­gra­fisch aus­ge­rich­te­ten Burn-out Bü­cher, weil der Au­tor ge­gen­über tra­di­tio­nel­len The­sen zum Burn-out ei­ne kri­ti­sche Hal­tung ein­nimmt und so dem Le­ser ei­nen neu­en Blick­win­kel auf das The­ma er­öff­net.

Ein Buch für Ex­per­ten
Die­ser neue Zu­gang zum The­ma dürf­te aber all den Le­sern ver­schlos­sen blei­ben, die nicht über das im­pli­zit vor­aus­ge­setz­te Fach­wis­sen ver­fü­gen und und auch nicht der an­spruchs­vol­len Spra­che fol­gen kön­nen. Bei­spiels­wei­se ist ein Satz wie der fol­gen­de nicht selbst­er­klä­rend: “De­syn­chro­ni­sa­ti­on, Ver­lust der rhyth­mi­schen Ord­nung, zeigt uns an, dass sich das le­ben­di­ge Sys­tem in ein chao­ti­sches Zer­stie­ben (Typ der Ent­zün­dung) oder ein Ver­fes­ti­gen hin zum Phy­si­schen (Typ der Skle­ro­se) pa­tho­gen ent­wi­ckelt.
Ent­ge­gen des Klap­pen­tex­tes ist es kein Buch für Lai­en, son­dern für Ex­per­ten. Man kann es nicht kon­su­mie­ren, man muss es stu­die­ren. Nur dann ent­fal­tet es sei­nen vol­len Nut­zen.

Das Buch “Wen­de­punkt Bur­nout” von Fritz Hel­mut Hem­me­rich ist in der 2. Auf­la­ge im Ma­ro­Ver­lag im Jahr 2012 ver­öf­fent­licht wor­den, es um­faßt 399 Sei­ten und kos­tet 28,00.€.

Wendepunkt Burnout

Wer mehr über das Salu­to­ge­ne­se-Kon­zept im Kon­text der Burn-out Be­hand­lung er­fah­ren möch­te, ist hier rich­tig. Die Aus­füh­run­gen über pra­xis­er­prob­te Be­hand­lungs- und Trai­nings­me­tho­den ma­chen rund die Hälf­te des Wer­kes aus. Ent­ge­gen des Klap­pen­tex­tes ist es kein Buch für Lai­en, son­dern nur für Ex­per­ten. Man kann es nicht kon­su­mie­ren, man muss es stu­die­ren. Nur dann ent­fal­tet es sei­nen vol­len Nut­zen.

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